Vor kurzem erschien im ZDF der Film „Anonyma - eine Frau in Berlin“ mit der Schauspielerin Nina Hoss. Es ging um das langjährige Tabu-Thema der Vergewaltigungen durch sowjetische Soldaten. Sie folgten Ilja Ehrenburgs, Stalins Staatsdichter, menschenverachtenden Hass- und Racheaufruf an die Sowjetsoldaten, der deutschen Frau ihren Rassehochmut und germanischen Stolz zu brechen, sie zu demütigen und zu vergewaltigen!
Vergessen wir nicht, mindestens 2 Mio. deutsche Mädchen und Frauen wurden am Ende des Krieges und danach von den Siegern, vornehmlich Russen, massenhaft vergewaltigt, darunter waren allein 1,4 Mio., die durch Flucht und Vertreibung aus den Ostgebieten kamen. Aber nicht nur Russen vergewaltigten. Auch Amerikaner, Franzosen, Polen, Tschechen und Serben wenn auch nicht so massenhaft, wie bei der russischen Soldateska, hatten ihren Anteil am Missbrauch deutscher Frauen.
Viele Frauen, ob jung oder alt, wurden mehrfach vergewaltigt, starben daran, kamen schwer verletzt davon und, soweit sie überlebt haben, trugen sie ihr Leben lang an den seelischen Wunden. Dazu mussten sie sich häufig noch vor ihrem meist verständnislosen Ehemann, ihrer Familie und den Nachbarn rechtfertigen. Dieses Trauma hält bei vielen drangsalierten Opfern noch bis heute an, da gerade mit zunehmendem Alter die leiderfüllte Vergangenheit in der Erinnerung wieder hochkommt. Sie führt zu Schlafstörungen und zu psychosomatischen Erkrankungen, was überwiegend schon seit Jahren latent vorhanden war.
Die erlittenen Wunden und negativen Erinnerungen wurden nach dem Kriege durch harte Aufbauarbeit manchmal jahrzehntelang verdrängt, bis dann im Ruhestand des Alters die furchtbaren Erlebnisse der Kriegs- u. Nachkriegszeit wieder aufbrachen. So fassten erst im Lebensherbst viele Frauen den Mut, einmal über die furchtbaren Erlebnisse von 1945 und danach zu reden oder gar zu schreiben. Ein Münchener Psychoanalytiker sammelte vor einiger Zeit die Berichte von vielen Vergewaltigungsopfern und versuchte ihnen durch Zuhören und Zuspruch ein wenig nachträglich zu helfen.
Arme Frauen, Mädchen, Kinder und Alte! Sie waren und sind meist die Hauptopfer der Sieger und haben die Kriege auszubaden, wie jüngst im Jugoslawienkrieg die von Serben vergewaltigten Frauen in Bosnien. Stimmt es nicht traurig, wenn erst seit 2008 die UNO Vergewaltigungen bei militärischen Konflikten als Kriegsverbrechen ahndet?
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Manfred Lietzow